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Im Jahre 1782 wurde die Kirche zu Altengesees gründlich erneuert und vergrößert. Damals wurden die Grundmauern stark erhöht und die zweite Empore aufgebaut. Ebenso der Turm, der unsere Kirche krönt. Sechs Jahre später, 1788, erhielt die Kirche anstelle des kleinen im Jahr 1708 von Herrn Christoph Adolph von Watzdorf gestifteten Orgelwerks die jetzt noch in Gebrauch befindliche Orgel. Der Orgelbauer war Christian August Gerhard (1745-1817), ein Sohn des in Lindig bei Kahla tätigen Justinus Ehrenfried Gerhard.

 

Das Instrument ist ein Dokument der Qualität, Vielseitigkeit und Ästhetik der Orgellandschaft Thüringen im 18. Jahrhundert.                    

                                                                                 

Disposition:

Manual C/D-c´´´ Prinzipal 4`(Prospekt, Zink) - Gedackt 8`(Holz) - Flöte 4`(Holz, offen) - Octave 2`(Metall) - Quinta 2 2/3`(Metall, konisch) - Mixtur 3f 1`(Metall, ergänzt)

Pedal C/D-c` Prinzipalbaß 8`(Holz) - Subbaß 16`(Holz)

Zusatzzüge: Tremulant (Bock Auslass)- Cimbelstern (4 Schalenglocken) - Pedalkoppel (Ventilkoppel, eigener Ventilkasten)

Orgelsystem: mechanische Schleiflade mit Koppelventilen

System der Windanlage: Keilbalganlage mit Motor

Stimmtonhöhe: ca. 1 Halbton höher als normal

 

Spielanlage:

Konsole, Manualklaviaturen original, Untertasten Ebenholz, Stirnseiten mit geprägtem Papier, Obertasten mit Knochen belegt, Pedalklaviatur aus Nadelholz, Obertasten geschweift, Registerzüge gedrechselt und schwarz lackiert mit jüngeren Papierschildern ursprünglich vermutlich hinter Glasscheiben

Windladen:

Schleifladen, Manuallade aus Eiche, Pedallade aus Nadelholz, Kanzellenrahmen gespundet, Stöcke - Eiche, Ventilkasten Nadelholz, Ventilkastenspunde eingelassen, Verschluß Holzwirbel, Ventile mit seitlichen Führungsstiften, Stirnseiten alt beschriftet, Pulpeten als Lederbeutel - erneuert, Drähte und Ledermuttern nicht in ursprünglicher Ausführung

Anordnung der Laden:

symetrisch, entsprechend Prospekt

Tontraktur:

mechanisch, Wellenbrett über Klaviatur, Ventile vorn

Registertraktur:

mechanisch, von liegenden Winkeln, direkt an Registerschlüssel, alles aus Nadelholz

Gebläse:

"Elektrowind" veraltet, lautstark

Gebläsestandort:

auf dem Dachboden

Standort der Bälge:

hinter bzw. über der Orgel auf der zweiten Empore

Bälge:

2 Keilbälge übereinander

Temperatur:

gleichstufig

 

Geschichte:

1806 wurde die Orgel renoviert und gestimmt

1830 wurden die Bälge notdürftig beledert, die Orgel gestimmt und verschiedene Pfeifen gelötet

1831 wurde die Orgel abgetragen, repariert und gestimmt

1897 gestimmt

1911 wurde die Orgel gereinigt, repariert durch Alfred Kühn, Orgelbauer in Schmiedefeld bei Schleusingen.

1912 wurde die Flöte 4`und die Spitzquinte in 8füßige Register umgearbeitet, später auch die Klaviaturtasten durchgesehen

1988 wurde eine neue Mixtur von der Fa. Speerschneider angefertigt. Diese ist in einem baulich desolaten Zustand und nicht wirklich stimmbar.

 

Baulicher Zustand:

Es konnte festgestellt werden, dass 2 Register nicht mehr im Original vorhanden sind. Die Prospektpfeifen des Registers Principal 4´ mussten im ersten Weltkrieg abgegeben werden und wurden danach nur in Zink und nicht in Zinn ersetzt.

Das Register Mixtur 3fach 1´ wurde bei einer romantischen Umdisponierung ausgebaut und existiert nicht mehr. Lediglich verwurmte Pfeifenstock- und Rasterreste liegen noch auf dem Kirchenboden. In den 80er Jahren wurde ein Rekonstruktionsversuch des Registers Mixtur 3fach 1´ hergestellt und eingebaut. Jedoch lässt die Qualität der Metallpfeifen und des Pfeifenaufbaus stark zu wünschen übrig. Zusätzlich ist die Zusammenstellung der Chöre nicht dem Original entsprechend und die Repetitionspunkte wurden falsch angelegt.

Alle anderen Register sind original und müssen auf Grund des sanierungsbedürftigen Zustandes grundlegend überarbeitet werden. Auch die technische Anlage des Instruments, inklusive der Schleifwindladen, muss akribisch restauriert werden. Ganz besonders muss die Balganlage, welche eingehaust und nur schwer zugänglich ist, für die Sanierung begutachtet werden. Es ist dann zu entscheiden, ob ein oder zwei Bälge an das neue Gebläse angeschlossen werden. Auf alle Fälle sollte das neue Gebläse aus klimatischen Erwägungen heraus nicht mehr auf dem Kirchenboden zur Aufstellung kommen.

 

Nur bei Durchführung aller notwendigen Arbeiten kann das Instrument wieder viele Jahrzehnte einwandfrei funktionieren. Dabei gilt besonderes Augenmerk der klanglichen Substanz von C. A. Gerhard. Diese Substanz gilt es zu bewahren, originalgetreu ergänzen und abschließend mit der Intonation des Instrumentes wiederzubeleben.

 


 

Um den Kirchgemeinden in Altengesees sowie der Allgemeinheit dieses wertvolle Instrument erhalten zu können, werden in der Zukunft umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig. Die einzelnen Bauabschnitte erreichen nach ersten vorsichtigen Schätzungen ein Gesamtvolumen von ca. 49.000 Euro. Dieser Betrag wird nicht in voller Höhe gefördert. Einen Eigenanteil muß die Kirchgemeinde selbst erbringen. Die hierfür erforderlichen Spenden einzuwerben, ist das erklärte Ziel des Fördervereins.